Über Haftsache

Haftsache – ein wertvoller Beitrag zur Resozialisierung

Jeden Morgen um 7:00 Uhr beginnt für Matthias der Arbeitstag in der Schreinerei. Er schneidet Holz, rundet scharfe Kanten mit der Feile ab, schleift, fräst, bohrt. Der ganz normale Alltag eines Schreiners eben. Fast. Denn Matthias arbeitet in der Schreinerei der Justizvollzugsanstalt Aichach. Die Türen der Werkstatt sind verriegelt, Beamte überwachen jeden Handgriff und nach Feierabend geht Matthias nicht nach Hause, sondern zurück in seine Zelle.

Arbeit als Hilfestellung, die viel bewirken kann.

Wie Matthias arbeiten auch andere Gefangene in den Handwerksbetrieben bayerischer Vollzugsanstalten und fertigen dort unter dem Label „Haftsache“ handgemachte Taschen, Pfannen oder Gartenbänke. Der soziale Aspekt spielt dabei eine große Rolle: Schließlich sollen ein geregelter Arbeitsalltag und eine sinnvolle Beschäftigung den erfolgreichen Neustart nach der Haft ermöglichen. Die Straftäter lernen, sich selbst als wichtigen Teil der Gesellschaft zu betrachten – in die sie nach der Entlassung auch wieder zurückkehren werden. Resozialisierung ist somit oberstes Ziel der Arbeit im Gefängnis.

Ausbildung, die Zukunft schafft.

Nur etwa 50 % der erwachsenen Strafgefangenen haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Schlechte Bildung und Perspektivlosigkeit sind oft Nährboden für Kriminalität. Die Gefängnisse müssen deshalb mehr leisten als reine Sicherheitsverwahrung. Sie müssen auch Bildungsanstalten sein, die ihre Bewohner auf ein Leben in Freiheit vorbereiten. Wer Schreinern und Nähen lernt, verbessert seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt und wird künftig nicht mehr so leicht straffällig. Die Ausbildung im Gefängnis ist somit wichtiger Bestandteil der Wiedereingliederung und Existenzsicherung nach der Entlassung. Und noch mehr: Sie schafft Selbstbewusstsein, Anerkennung und Wertschätzung – Gefühle, die viele Gefangene zum ersten Mal in ihrem Leben erfahren.

Echte Handwerkskunst statt Massenproduktion.

Tief verwurzelt im traditionellen Handwerk entstehen in den Werkstätten bayerischer Haftanstalten individuelle Gebrauchsgegenstände für den Alltag. Bei den Produkten von „Haftsache“ wird viel Wert darauf gelegt, dass die Gefangenen nicht nur produzieren, sondern auch selbst kreativ werden und die Waren aktiv mitgestalten. Bei den handgefertigten Gegenständen handelt es sich um keine Massenware, die am Fließband entsteht. Jedes Produkt wird – von den ersten Entwürfen bis zur Fertigstellung – meist von nur einer Person hergestellt. Somit steckt in jeder „Haftsache“ nicht nur echte Handwerkskunst, sondern immer auch ein Stück persönliche Geschichte jenes Häftlings, der daran gearbeitet hat.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Ihr Team von Haftsache

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